Eisenmangelanämie
Eisenmangelanämie ist eine Blutarmut, die entsteht, wenn dem Körper über längere Zeit zu wenig Eisen für die Bildung von rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) zur Verfügung steht. Sie ist die häufigste Ursache von Blutarmut und macht sich meist durch Müdigkeit, Blässe und Kurzatmigkeit bemerkbar.

Was ist eine Eisenmangelanämie?
Eisen ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das der Körper vor allem zur Bildung von Hämoglobin (rotem Blutfarbstoff) benötigt, der den Sauerstoff im Blut transportiert. Bei einer Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) enthält das Blut über längere Zeit deutlich weniger rote Blutkörperchen oder Hämoglobin als normal, weil dem Körper nicht genug Eisen zur Verfügung steht. Eisenmangel ist die mit Abstand häufigste Ursache einer Blutarmut (Anämie).
Wie häufig ist Eisenmangel?
Eisenmangel gilt als der weltweit häufigste Nährstoffmangel. In Europa sind nach Schätzungen etwa 5 bis 10 % der Menschen von Eisenmangel betroffen, etwa 2 bis 5 % haben eine Eisenmangelanämie. Besonders häufig betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter durch die Monatsblutung sowie Kinder in Wachstumsphasen. Insgesamt haben rund 10 % der Menschen in Deutschland eine Anämie, bei über 85-Jährigen sind es schätzungsweise etwa 25 %.
Wie entwickelt sich ein Eisenmangel?
Ein Eisenmangel entwickelt sich meist in mehreren Stufen. Zunächst greift der Körper auf seine Eisenspeicher in Leber und Milz zurück, ohne dass Beschwerden auftreten. Sind die Speicher aufgebraucht, reicht der Hämoglobinwert zwar zunächst noch aus, doch die Neubildung roter Blutkörperchen ist bereits gestört – erste Symptome können auftreten. Erst wenn der Körper zu wenig Hämoglobin bildet, entsteht eine Eisenmangelanämie: Zellen und Organe werden dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.
Mögliche Folgen
Bei Schwangeren kann eine unbehandelte Eisenmangelanämie das Risiko für eine Frühgeburt oder ein zu geringes Geburtsgewicht des Kindes erhöhen, weshalb der Eisenstatus in der Schwangerschaft regelmäßig kontrolliert wird. Bei Kleinkindern kann ein ausgeprägter, lang anhaltender Eisenmangel die Entwicklung beeinträchtigen. Unbehandelt kann eine anhaltende Blutarmut zudem die körperliche Leistungsfähigkeit mindern und, besonders bei älteren Menschen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
Symptome
- Blasse Haut (Blässe)
- Ungewohnte Müdigkeit und Erschöpfung, auch nach leichter Anstrengung
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit
- Kopfschmerzen
- Eingerissene Mundwinkel und wiederkehrende Aphten (Mundschleimhautentzündungen)
- Brüchige Nägel und Haarausfall
- Bei stärkerer Blutarmut: Herzrasen, Brustschmerzen oder Ohnmacht
Ursachen
- Blutverlust, z. B. durch starke Regelblutungen, Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder häufiges Blutspenden
- Zu geringe Eisenzufuhr über die Ernährung, etwa bei einseitiger, vegetarischer oder veganer Kost
- Erhöhter Eisenbedarf, z. B. in Schwangerschaft, Stillzeit, im Wachstum oder bei Leistungssport
- Gestörte Eisenaufnahme im Darm, z. B. bei Zöliakie, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Magenschleimhautentzündung oder nach Magenoperationen
- Chronische Erkrankungen wie Nierenschwäche oder Krebserkrankungen, die die Eisenverwertung stören
- Bestimmte Medikamente (z. B. Säureblocker oder Schmerzmittel wie ASS oder Ibuprofen), die die Eisenaufnahme beeinträchtigen oder Blutungen begünstigen können
Risikofaktoren
- Frauen im gebärfähigen Alter (durch die Monatsblutung)
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Kinder und Jugendliche in Wachstumsphasen
- Vegetarische oder vegane Ernährung
- Hoher Kuhmilchkonsum bei Säuglingen und Kleinkindern
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Zöliakie
- Leistungssport
- Fortgeschrittenes Lebensalter
Diagnose
Ärztinnen und Ärzte stellen die Diagnose anhand eines ausführlichen Gesprächs (Anamnese) zu Ernährung, Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme sowie einer Blutuntersuchung. Dabei werden unter anderem der Hämoglobinwert, Größe und Zahl der roten Blutkörperchen sowie die Eisenspeicherwerte (Ferritin, Transferrin) bestimmt. Bei unklarer Ursache können weitere Untersuchungen wie eine Stuhluntersuchung oder eine Magen- beziehungsweise Darmspiegelung sinnvoll sein, um eine Blutungsquelle zu finden. Bei Frauen mit starker Regelblutung kann zusätzlich eine gynäkologische Untersuchung sinnvoll sein.
Behandlung
- Behandlung der zugrunde liegenden Ursache, z. B. Stillung von Blutungen oder Therapie einer Grunderkrankung
- Eisenreiche Ernährung, bei Bedarf ergänzt durch Ernährungsberatung
- Eisenpräparate zum Einnehmen (orale Eisensubstitution) als Tabletten oder Tropfen bei stärkerem Mangel oder bestehender Anämie
- Intravenöse Eisengabe (Eiseninfusion), wenn Tabletten nicht ausreichen oder nicht vertragen werden
- Fortführung der Eisenpräparate über mindestens drei Monate nach Normalisierung der Blutwerte, um die Eisenspeicher wieder aufzufüllen
- Bei sehr starkem, akutem Blutverlust in bestimmten Fällen eine Bluttransfusion
Vorbeugung
- Ausgewogene, eisenreiche Ernährung, z. B. mit Fleisch, Spinat, Hülsenfrüchten, Haferflocken oder Cashewkernen
- Vitamin-C-reiche Lebensmittel kombinieren, da Vitamin C die Eisenaufnahme im Darm fördert
- Bei veganer oder vegetarischer Ernährung gezielt auf eisenreiche pflanzliche Lebensmittel achten
- In besonderen Lebensphasen (Schwangerschaft, Stillzeit, starke Regelblutungen) kann eine Eisensupplementierung sinnvoll sein – nur nach ärztlicher Rücksprache
- Eine vorbeugende Eiseneinnahme ohne nachgewiesenen Mangel wird nicht empfohlen, da sie in der Regel keinen Nutzen bringt und schaden kann
Wann zum Arzt?
Bei anhaltender Müdigkeit, Blässe oder Kurzatmigkeit ohne erkennbare Erklärung sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Treten zusätzlich Herzrasen, Brustschmerzen, ein sehr niedriger Blutdruck oder eine Ohnmacht auf, sind das Warnzeichen einer ausgeprägten Blutarmut – hier ist zeitnah ärztliche Hilfe nötig. Auch bei unklarem, wiederholtem Eisenmangel sollte ärztlich nach der Ursache gesucht werden, etwa nach einer möglichen Blutungsquelle.
Quellen
- 1Bundesministerium für Gesundheit / IQWiG: Blutarmut (Anämie), gesund.bund.de. gesund.bund.de/blutarmut-anaemie
- 2IQWiG: Eisenmangel und Eisenmangel-Anämie, gesundheitsinformation.de. www.gesundheitsinformation.de/eisenmangel-und-eisenmangel-anaemie.html
- 3BfArM: ICD-10-GM Version 2026, Code D50 – Eisenmangelanämie.
Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.