ErkrankungenICD-10: J10Mittelschwer

    Grippe (Influenza)

    Die Grippe ist eine plötzlich einsetzende Viruserkrankung der Atemwege mit hohem Fieber, Gliederschmerzen und starker Abgeschlagenheit. Sie verläuft meist heftiger als eine Erkältung und lässt sich durch eine jährliche Impfung vorbeugen.

    Grippe (Influenza)

    Was ist Grippe?

    Die Grippe (Influenza) ist eine durch Influenzaviren verursachte Infektion der Atemwege, die – anders als eine Erkältung – meist plötzlich und mit ausgeprägten Beschwerden beginnt. Nicht jede Ansteckung verläuft gleich: Nur etwa ein Drittel der Infizierten entwickelt die typischen Beschwerden wie Fieber, Schmerzen und Abgeschlagenheit. Ein weiteres Drittel hat mildere, erkältungsähnliche Symptome, und ein Drittel bemerkt die Infektion gar nicht.

    Wie häufig ist die Grippe?

    In Deutschland treten die jährlichen Grippewellen im Winterhalbjahr meist nach dem Jahreswechsel auf. Die Influenza-Aktivität steigt in den meisten Jahren im Januar oder Februar deutlich an und hält im Schnitt 3 bis 4 Monate an. Während einer Grippewelle stecken sich schätzungsweise 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung an. Wie schwer eine Saison verläuft, schwankt stark: In der Saison 2017/2018 wurden rund 45.000 grippebedingte Krankenhauseinweisungen und etwa 25.100 Todesfälle geschätzt, in der milden Saison 2013/2014 waren es nur rund 3.000 Einweisungen.

    Ansteckung und Verlauf

    Die Grippeviren werden vor allem durch Tröpfchen beim Husten, Niesen oder Sprechen übertragen, daneben auch über feinste Aerosole sowie kontaminierte Hände und Oberflächen (Schmierinfektion). Die Inkubationszeit beträgt etwa 1 bis 3 Tage; Erkrankte sind etwa 4 bis 5 Tage nach dem ersten Auftreten der Beschwerden ansteckend, bei Kindern teils länger.

    Wer ist besonders gefährdet?

    Für Säuglinge, Schwangere – besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft –, Menschen über 60 Jahre sowie Personen mit chronischen Lungen-, Herz- oder Immunerkrankungen verläuft eine Grippe häufiger schwer. Eine Grippe verläuft insgesamt selten schwer, ein sehr schwerer Verlauf kann jedoch lebensgefährlich werden.

    Symptome

    • Plötzlich einsetzendes Fieber von 38 bis 40 °C oder höher
    • Muskel- und Gliederschmerzen im ganzen Körper
    • Kopf- und Halsschmerzen
    • Schüttelfrost und starke Abgeschlagenheit
    • Trockener Husten ohne Auswurf
    • Verstopfte oder laufende Nase
    • Appetitlosigkeit und starke Müdigkeit

    Ursachen

    • Infektion mit Influenzaviren, vor allem der Typen A und B
    • Übertragung durch Tröpfchen beim Husten, Niesen oder Sprechen (Tröpfcheninfektion)
    • Übertragung über feinste Aerosole in der Luft
    • Schmierinfektion über kontaminierte Hände oder Oberflächen

    Risikofaktoren

    • Alter über 60 Jahre
    • Säuglings- und Kleinkindalter
    • Schwangerschaft, besonders im letzten Drittel
    • Chronische Herz- oder Lungenerkrankungen
    • Diabetes mellitus oder andere Stoffwechselerkrankungen
    • Geschwächtes Immunsystem
    • Neurologische Erkrankungen oder starkes Übergewicht

    Diagnose

    Ärztin oder Arzt erkennen eine Grippe meist am plötzlichen, heftigen Beschwerdebild. Für eine gesicherte Diagnose stehen Labormethoden zur Verfügung: Der Erregernachweis per PCR gilt als zuverlässigste Methode, daneben werden Antigen-Schnelltests sowie ein Nasen- oder Rachenabstrich eingesetzt. Diese Tests kommen vor allem bei schweren Verläufen oder zur Überwachung des Infektionsgeschehens zum Einsatz.

    Behandlung

    • Körperliche Schonung und ausreichend trinken – ein belegter Effekt auf eine schnellere Genesung ist dafür allerdings nicht nachgewiesen
    • Schmerz- und fiebersenkende Mittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS)
    • ASS ist für Kinder und Jugendliche wegen des Risikos eines Reye-Syndroms nicht geeignet
    • Verschreibungspflichtiges Oseltamivir kann bei Einnahme innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn die Erkrankungsdauer um etwa einen Tag verkürzen, verursacht aber häufig Übelkeit und Erbrechen
    • Antibiotika wirken nicht gegen die Virusinfektion selbst

    Vorbeugung

    • Jährliche Grippeimpfung, von der STIKO vorzugsweise in den Monaten Oktober und November empfohlen
    • Impfempfehlung u. a. für alle Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel, Pflegeheimbewohner sowie medizinisches Personal
    • Regelmäßiges Händewaschen
    • Husten und Niesen in die Armbeuge statt in die Hand
    • Regelmäßiges Lüften geschlossener Räume
    • Medizinische Masken bei Kontakt mit Erkrankten

    Wann zum Arzt?

    Bei Verdacht auf eine Grippe ist ärztlicher Rat sinnvoll, besonders wenn bereits andere Erkrankungen bestehen. Personen aus Risikogruppen – etwa Säuglinge, Schwangere, Menschen ab 60 Jahren oder mit Lungen-, Herz- oder Immunerkrankungen – sollten frühzeitig eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, da ein sehr schwerer Verlauf lebensgefährlich werden kann.

    Quellen

    1. 1Bundesministerium für Gesundheit / IQWiG: Grippe (Influenza), gesund.bund.de. gesund.bund.de/grippe-influenza
    2. 2IQWiG: Grippe, gesundheitsinformation.de. www.gesundheitsinformation.de/grippe.html
    3. 3Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Saisonale Influenza, rki.de. www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Influenza_saisonal.html
    4. 4BfArM: ICD-10-GM Version 2026, J10 – Grippe durch saisonale nachgewiesene Influenzaviren.

    Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.