ErkrankungenICD-10: N30Leicht

    Harnwegsinfekt (Blasenentzündung)

    Ein Harnwegsinfekt ist meist eine bakterielle Entzündung der Harnblase (Blasenentzündung) mit brennenden Schmerzen beim Wasserlassen und häufigem Harndrang. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

    Harnwegsinfekt (Blasenentzündung)

    Was ist ein Harnwegsinfekt?

    Bei einer akuten Blasenentzündung (Zystitis) ist die Schleimhaut der Harnblase entzündet, meist weil Bakterien über die Harnröhre in die Blase aufsteigen. Frauen sind wegen ihrer kürzeren Harnröhre deutlich häufiger betroffen als Männer. Manche Menschen tragen Bakterien im Urin, ohne Beschwerden zu haben (asymptomatische Bakteriurie) – das gilt in der Regel als harmlos.

    Wie häufig sind Blasenentzündungen?

    Etwa 10 von 100 Frauen bekommen mindestens einmal im Jahr eine Blasenentzündung, die Hälfte von ihnen erkrankt innerhalb eines Jahres erneut. Auch ohne Antibiotika heilt die Infektion bei 30 bis 50 von 100 Frauen innerhalb einer Woche von selbst aus.

    Wenn die Infektion aufsteigt

    Wandern die Bakterien über die Harnleiter weiter bis zu den Nieren, kann eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) entstehen. Sie ist zwar selten, kann aber gefährlich werden und äußert sich durch Flankenschmerzen, Fieber sowie Übelkeit und Erbrechen.

    Symptome

    • Starker, häufiger Harndrang
    • Stechende Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
    • Schmerzen, die bei fast leerer Blase zunehmen
    • Trüber oder übel riechender Urin, manchmal mit Blut
    • Schmerzen im Unterbauch oder Rücken
    • Bei stärkeren Verläufen Müdigkeit und Gereiztheit

    Ursachen

    • Bakterien, die über die Harnröhre in die Blase aufsteigen
    • Kürzere Harnröhre bei Frauen begünstigt das Aufsteigen von Bakterien

    Risikofaktoren

    • Geschlechtsverkehr
    • Diaphragmen und spermienabtötende Verhütungsmittel
    • Schwangerschaft
    • Blasenkatheter
    • Fehlbildungen oder Erkrankungen der Harnwege
    • Diabetes mellitus oder Multiple Sklerose
    • Bereits durchgemachte Blasenentzündungen
    • Wechseljahre

    Diagnose

    Ärztin oder Arzt stellen die Diagnose meist anhand der geschilderten Beschwerden und mit einem Urin-Teststreifen. Eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und Harnwege kommt vor allem bei komplizierten oder wiederkehrenden Infektionen zum Einsatz, eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) nur selten bei schweren, wiederkehrenden Fällen.

    Behandlung

    • Antibiotika wirken bei einer akuten Blasenentzündung in der Regel schnell
    • Bei unkompliziertem Verlauf heilt die Infektion auch ohne Antibiotika bei etwa 30 bis 50 von 100 Frauen innerhalb einer Woche aus
    • Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen als Alternative zur Linderung der Beschwerden
    • Wärmeanwendungen und ausreichend Flüssigkeit als unterstützende Selbsthilfemaßnahmen
    • Komplizierte Infektionen müssen mit Antibiotika behandelt werden

    Vorbeugung

    • Eine zuverlässig wirksame Vorbeugung ist laut aktueller Studienlage nicht bekannt; viele verbreitete Tipps sind wissenschaftlich nicht sicher belegt
    • Nach dem Geschlechtsverkehr Wasserlassen, damit Bakterien aus der Harnröhre gespült werden (Wirksamkeit nicht wissenschaftlich belegt)
    • Cranberry-Produkte können das Risiko einer erneuten Blasenentzündung leicht senken (in Studien blieben etwa 3 von 100 Frauen zusätzlich beschwerdefrei)
    • Bei häufig wiederkehrenden Infektionen kann eine niedrig dosierte, vorbeugende Antibiotika-Einnahme über mehrere Monate erwogen werden, die aber Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden oder Pilzinfektionen verursachen kann
    • Vaginale Östrogenpräparate können bei Frauen nach den Wechseljahren vorbeugend helfen
    • Auf spermienabtötende Verhütungsmittel und Diaphragmen verzichten

    Wann zum Arzt?

    Suchen Sie zeitnah ärztlichen Rat bei Flankenschmerzen, Fieber oder Übelkeit und Erbrechen – das sind mögliche Anzeichen einer Nierenbeckenentzündung, die gefährlich werden kann. Auch bei Männern, in der Schwangerschaft, bei häufig wiederkehrenden Infektionen oder bestehenden Grunderkrankungen sollte eine Blasenentzündung ärztlich abgeklärt werden.

    Quellen

    1. 1Bundesministerium für Gesundheit / IQWiG: Blasenentzündung (Harnwegsinfektion), gesund.bund.de. gesund.bund.de/blasenentzuendung-harnwegsinfektion
    2. 2IQWiG: Akute Blasenentzündung, gesundheitsinformation.de. www.gesundheitsinformation.de/akute-blasenentzuendung.html
    3. 3BfArM: ICD-10-GM Version 2026, N30 – Zystitis.

    Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.