Multiple Sklerose (MS)
Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Schutzhüllen der Nervenfasern angreift. Sie zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen.

Was ist Multiple Sklerose?
Bei Multiple Sklerose (MS) greift das körpereigene Immunsystem die schützende Hülle der Nervenfasern (Myelin) in Gehirn, Rückenmark und Sehnerv an. Dadurch entstehen an vielen Stellen Vernarbungen – daher der Name „multiple" (vielfache) „Sklerose" (Verhärtung). Weil unterschiedlichste Nervenbahnen betroffen sein können, zeigt sich MS bei jedem Menschen anders und wird deshalb auch „Krankheit mit den 1.000 Gesichtern" genannt.
Wie häufig ist MS?
In Europa sind ungefähr 125 von 100.000 Personen an MS erkrankt – sie zählt damit zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen. Die Diagnose wird meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr gestellt, Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer.
Welche Verlaufsformen gibt es?
Zu Beginn zeigt sich oft ein klinisch-isoliertes Syndrom (KIS): einzelne, erste Symptome, aus denen sich bei etwa der Hälfte der Betroffenen später eine MS entwickelt. Am häufigsten beginnt MS schubförmig-remittierend (RMS), mit einzelnen Schüben, die sich anfangs oft fast vollständig zurückbilden. Bei etwa 80 Prozent der Menschen mit MS geht dieser schubförmige Verlauf im Lauf der Zeit in eine sekundär-progrediente Form (SPMS) mit stetiger Verschlechterung über. Bei etwa 10 bis 15 Prozent verläuft die Erkrankung von Anfang an ohne Schübe stetig fortschreitend (primär-progrediente MS, PPMS).
Wie entsteht MS?
Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass eine genetische Veranlagung im Zusammenspiel mit Umweltfaktoren eine fehlgeleitete Immunreaktion gegen die Myelinscheiden auslöst. Eine Impfung als Auslöser gilt trotz der Aktivierung des Immunsystems nach heutigem Wissensstand nicht als Ursache.
Symptome
- Rasche Erschöpfbarkeit (Fatigue)
- Muskelschwäche, Lähmungen oder Zittern
- Empfindungsstörungen wie Taubheitsgefühl oder Kribbeln
- Schmerzen und gestörtes Temperaturempfinden
- Sehstörungen wie verschwommenes oder doppeltes Sehen
- Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen (Ataxie)
- Blasen- und Darmfunktionsstörungen
Ursachen
- Genetische Veranlagung im Zusammenspiel mit Umweltfaktoren
- Fehlgeleitete Immunreaktion, die sich gegen die Myelinscheiden der Nervenfasern richtet
- Eine frühere Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus wird als möglicher Auslöser diskutiert
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Wohnort in nördlichen Breitengraden
- Genetische Veranlagung sowie MS-Fälle in der Familie
- Rauchen
- Übergewicht in Kindheit und Jugend
- Vitamin-D-Mangel
- Autoimmunerkrankungen in der Familie, zum Beispiel Diabetes Typ 1
- Frühere Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus
Diagnose
Die Diagnose stützt sich auf die Krankengeschichte und eine ausführliche neurologische Untersuchung von Augen, Muskelkraft, Reflexen, Gangbild, Koordination und Empfindungsvermögen. Am aussagekräftigsten ist eine Kernspintomografie (MRT) von Gehirn und oberem Rückenmark, die für MS typische Entzündungsherde sichtbar macht. Ergänzend werden häufig eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquorpunktion) auf Entzündungszeichen sowie evozierte Potenziale – elektrische Messungen der Nervenleitung, etwa der Sehbahn – durchgeführt. Bluttests helfen, ähnliche Erkrankungen wie eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder Diabetes auszuschließen.
Behandlung
- Schubtherapie mit hochdosiertem Kortison (Methylprednisolon) über mehrere Tage als Infusion
- Bei unzureichendem Ansprechen Plasmapherese oder Immunadsorption (Blutwäscheverfahren)
- Dauertherapie mit verlaufsmodifizierenden Immuntherapien, etwa Interferonen, Glatirameracetat, Teriflunomid, Dimethylfumarat oder Fingolimod als Spritze beziehungsweise Tablette
- Bei aktiverer MS Antikörpertherapien wie Natalizumab, Ocrelizumab oder Alemtuzumab als Infusion
- Physio- und Ergotherapie bei Fatigue, Lähmungen oder Bewegungsstörungen
- Medikamente und Physiotherapie bei Spastik
- Logopädie bei Sprech- oder Schluckstörungen
Vorbeugung
- Auf das Rauchen verzichten
- Auf eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung achten
- Übergewicht in Kindheit und Jugend vermeiden
Wann zum Arzt?
Treten neue Beschwerden wie Sehstörungen, Taubheitsgefühle, Kribbeln, Muskelschwäche oder Gleichgewichtsprobleme auf, sollten Sie zeitnah ärztlichen Rat einholen, um die Ursache abklären zu lassen. Bei gesicherter MS-Diagnose sind regelmäßige Kontrolltermine in der Hausarztpraxis und bei der Neurologin oder dem Neurologen wichtig, um den Verlauf zu überwachen und Begleiterkrankungen frühzeitig zu erkennen.
Quellen
- 1Bundesministerium für Gesundheit / IQWiG: Multiple Sklerose, gesund.bund.de. gesund.bund.de/multiple-sklerose
- 2BfArM: ICD-10-GM Version 2026, G35 – Multiple Sklerose [Encephalomyelitis disseminata].
Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.